Titelblatt der Festschrift von 2020 (erhältlich beim VfB, Anfragen bitte an: info@vfb-rehau.de

 

100 Jahre VfB Rehau:   Die lange Geschichte unseres Vereins

Urkunde 1913

Vorgeschichte und Gründung (1904 – 1920):

Von der „Fidelia“ zum „VfB“

 Kaum jemand wird heute noch wissen, dass der VfB Rehau aus einem „Gesellschaftsclub“ namens „Fidelia“ hervorgegangen ist. Dieser war am 25. September 1904 in der Bierwirtschaft Wölfel („Dittmers Karl“) in der Ludwigsstraße gegründet worden und zog bald in den traditionsreichen „Goldenen Anker“ um, den damaligen gesellschaftlichen Mittelpunkt der Viehhändler- und Industriestadt. In der „Fidelia“ fanden offenbar junge Leute zusammen, die den am 15. Juli 1911 protokollierten Antrag stellten, dass „das Fuß- und Faustballspiel innerhalb des Vereins betrieben werden“ solle. Tatsächlich wurde „… die Anschaffung eines (!) Fuß- und Faustballs aus Vereinsmitteln einstimmig genehmigt.“ Damit war der Vereins-Fußballsport in Rehau geboren und fast auch schon der VfB. Seinen ersten Fußballplatz hatte der VfB-Vorläufer auf einer zwei Tagwerk (ca. 6000 m2) großen Wiese in der Geierloh, verpachtet von dem Fabrikbesitzer Hans Scherzer.

Der „VfB“ ging schließlich als Neugründung aus der „1. Spielvereinigung Rehau“ hervor, zu der sich am 27. April 1912 die Fidelia-Fußballer mit den Spielern der Vereine Wacker (in der Dürrlohe) und Concordia (im Reutlich) zusammengeschlossen hatten. Zu den ersten Fußballern der Spielvereinigung zählten u.a. Max Press, Andreas Böhme, Hans von der Grün, Johann Kaiser und Franz Neubing. Der 1. Weltkrieg (1914-18) sorgte dann erst einmal für eine Unterbrechung des Spielbetriebs, der erst 1919/20 allmählich wieder aufgenommen werden konnte, und aus der „Spielvereinigung“ wurde der „VfB“.

Fidelia-Fußballer um 1912

Das ging aber nicht ohne Streitigkeiten vonstatten – kein Wunder in einer von Kriegsende und Revolution geprägten Zeit nach dem Waffenstillstand im November 1918 und dem Ende der Monarchien im Deutschen Reich und in Bayern. In unserer Vereinschronik werden die Geburtswehen des VfB anschaulich geschildert:

„Infolge politischer Strömungen nach Beendigung des Weltkriegs 14/18 war, wie in manchen anderen Vereinen auch, in die Spielvereinigung gewisse Uneinigkeit getragen worden. Erschwerend in die damaligen Verhältnisse wirkte sich dann noch eine unliebsame Demonstration im Hof des Fuhrbetriebsinhabers Georg Hundt, Ascher Straße, aus, an der auch Vorstandsmitglieder und Mitglieder der Spielvereinigung beteiligt waren. Hundt, Besitzer des Platzes, kündigte daraufhin die Benützung des Platzes. Dieser und vielleicht noch andere Umstände führten zur Spaltung der Spielvereinigung in zwei Lager. Man bemühte sich darauf um Unterschriften mit dem Ziele, durch eine Zweidrittelmehrheit in die Lage zu kommen, die Spielvereinigung aufzulösen. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Gasthof Hail, Kreuzstraße, kam es dann auch zu einem Auflösungsbeschluss. Die Gründung eines neuen Sportvereins wurde ausdrücklichst vorgeschlagen. Der nächstfolgende Trainingstag sah dann die öffentliche Versteigerung des gesamten Inventars der Spielvereinigung auf dem Sportplatz. Hans Wölfel von der Hammermühle ersteigerte z.B. den Gartenzaun, Sägewerksbesitzer Hans Press kam als ein interessierter Bieter in den Besitz alles anderen wie Planken, Kassenhäuschen, Umkleidehütte und der Tore. Alle Wurfgeräte wie Kugeln, Speere, Schleuderbälle, auch einen Teil der Fußbälle sicherte sich in dieser Versteigerung Bäckermeister Georg Beck sen. („Doppelbeck“). Der Rest der Fußbälle kam in den Besitz von Schuhmachermeister Johann Kaiser, der dann auch in den Folgejahren von 1920 bis 1930 als Ballwart, und zwar unentgeltlich, wirkte.“

Einmütig erfolgte am 17. März 1920 im Bahnhof-Hotel (Besitzer Hans Wunderlich) die Gründung des „Vereins für Bewegungsspiele Rehau“, zu dessen erstem Vorsitzenden der Oberschüler Philipp Jacob gewählt wurde. Nach einigen Wochen löste ihn der Sägewerksbesitzer Hans Press ab, der den jungen Verein auch finanziell sehr unterstützte. Er betrieb auch den Bau der Sportanlage auf dem Gelände des Fuhrunternehmers Hundt im Unlitz, indem er bei den Rehauer Honoratioren Spenden einsammelte und ein Benefizspiel in Marienbad organisierte. Für den Platzbau wurden insgesamt 53200 Reichsmark aufgewendet, zwei Drittel davon aus Spenden der Leder- und Porzellanindustrie, von Handwerk und Gewerbe. Die aufkommende Hochinflation 1923 half ebenfalls, die Schulden des Vereins schnell zu tilgen. Die Anlage im Unlitz blieb bis heute die sportliche Heimat des VfB und jetzt auch des FC Rehau.

Wie man auf den Vereinsnamen kam, vorgeschlagen von Philipp Jakob, lässt sich nicht mehr ermitteln, aber er war damals wohl gerade modern für Vereine, die sich nicht nur als reine Fußballclubs („FC“, „Fk“, …) oder Turnvereine („TSV“, „TS“, …) verstanden und sowohl von der im TV 1884 Rehau beheimateten Turnertradition als auch vom 1902 gegründeten ASV Rehau, dem Verein der Arbeiterbewegung, wollte man sich wohl bewusst abgrenzen. Von der legendären „Tante Anna“, jahrzehntelang eine Institution im Pilgramsreuther Dorfwirtshaus, ist die folgende Interpretation von „VfB“ überliefert: „Verrückte finden Beschäftigung“, was auch der damals gängigen Auffassung entsprach, dass es doch wohl verrückt wäre, wenn 22 erwachsene Männer einem Ball nachjagten.

Die erste Mannschaft des VfB Rehau nahm den Platz der in die A-Klasse Oberfrankens aufgestiegenen SpVgg Rehau ein und behauptete sich in dieser Liga im Wettstreit u.a. mit den Nachbarvereinen Bayern Hof, FC Münchberg. Wacker Marktredwitz, FK Selb, VfB Arzberg.

Der Spielbetrieb war in damaliger Zeit geprägt von unzureichenden Verkehrsverbindungen mit Zug oder Bus, sodass auch Fußmärsche und Fahrten mit Pferdefuhrwerken unternommen werden mussten, um die Spielorte zu erreichen. Der VfB machte sich dennoch in kurzer Zeit in Oberfranken einen guten Namen und mit dem Plauener Fußballer Hänig heuerte der erste auswärtige Trainer in Rehau an.

Urkunde für Ehrenvorsitzenden Hans Press 1925

 

Die Zwanziger Jahre: Der VfB etabliert sich im oberfränkischen Fußball



 

VfB 1. Mannschaft 1921 (vorn)

Auf einer 1923 veröffentlichten Rangliste von ca. 100 oberfränkischen Vereinen rangierte der VfB Rehau an der beachtlichen 18. Stelle, aber trotz vieler Spitzenplätze klappte es erst 1928 mit der A-Klassen-Meisterschaft und dem Aufstieg in die Kreisliga. Maßgeblichen Anteil hatte der aus Nürnberg stammende Trainer Gaudlitz. Es spielten (siehe Bild): Max Rausch (TW), Willy Luding, Max Jacob, Hans Luding, Willy Bayer, Georg Kolb, Hans Bär, Lorenz Rödel, Julius Hüttl, Hans Hager, Hans Zeidler.

Meisterschaft in der A-Klasse, Aufstieg in die Kreisliga (1928)

Diese Meistermannschaft von 1928 spielte einige Jahre in ihrer Stammbesetzung erfolgreich zusammen, nach und nach ergänzt um Nachwuchsspieler wie Franz Nüssel, Nikol Müller, Oettmeyer, Hager, Karl Press, Buheitel, August Beck, Paul Schleicher, Hans Hertel, Hans Schwandner, Otto Zink, Hans Jäger.

Eine Reihe großer sportlicher Erfolge ist aus dieser Zeit zu vermelden, insbesondere nachdem der Nürnberger Karl Schenk das Training der Fußballer übernommen hatte, der als Rechtsanwalt nach Rehau gekommen war. So besiegte man 1929 die legendäre „Panzer-Elf“ des FC Bayern Hof (benannt nach deren Mittelstürmer Karl Panzer), die damals in der Gauliga Nordbayern zu den Spitzenmannschaften gehörte, in einer Pokalrunde, bei der man auch im Endspiel gegen die SpVgg 1913 Selb mit 5:1 siegreich blieb.

Dem damaligen 1. Vorsitzenden, Zimmermeister Hans Preß, ist zu verdanken, dass der Sportplatz im Unlitz geebnet und eingezäunt wurde. Auch Umkleide- und Kassenhäuschen wurden errichtet.

 

Leichtathleten und Handballer im VfB

In dieser Zeit machte auch die

Leichtathletik-Abteilung des VfB

von sich reden. Sie war 1929 von Karl Schenk gegründet worden, der zunächst als Trainer der 1. Fußballmannschaft und dann als Sportwart wirkte. Viele junge talentierte Fußballer und Leichtathleten stießen damals zum VfB und waren sportlich erfolgreich. Karl Schenk selbst wurde 1930 mit beachtlichen 51,29m nordbayerischer Meister im Speerwurf. Bei den Frauen war Gusti Hertel 1932 nordbayerische Meisterin im Kugelstoßen und Diskuswurf. Weitere Erfolge erzielten u.a. Dr. Ernst Linhardt, Karl Hertel, Richard Letz, Heinz Izerott, Karl Wölfel, Karl Zapf. Bei den immerhin 28 aktiven Leichtathletinnen gehörten neben Gusti Hertel (später Grieshammer) auch Else Bayer, Lisbeth Hertel und Mariechen Hertel zu den Besten. In Eigenleistung entstanden damals eine 100m-Aschenbahn sowie eine zeitgemäße Hoch- und Weitsprunganlage.

Auch eine VfB-Handball-Mannschaft bildete sich damals. Zu ihr gehörten u.a. Herbert Friedrich, Heinrich Hagen, Georg Beck, Karl Zapf, Karl Wölfel, Georg Dietel. Die Aktivitäten dieser beiden Abteilungen fanden in den Jahren des 2. Weltkriegs ihr Ende und nach dem Krieg leider auch keine Fortsetzung.

Anders als es das Foto vermuten lässt, gab es damals aber keine Damen-Fußballelf. So weit war man denn doch noch nicht. Dieser Faschingsauftritt war wohl weder von den Damen noch von den Herren ernst gemeint.

 

Fußball in der NS-Zeit (1933 – 1945)

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 hatte auch auf den Fußballsport erhebliche Auswirkungen. Weil man Nachteile für die „völkische“ Bedeutung des Amateurfußballs befürchtete, wurden Bestrebungen der Großclubs, auch in Deutschland eine Art Profifußball einzuführen, ausgeschaltet, zumal in vielen dieser Vereine jüdische Funktionäre und liberale Bildungsbürger das Sagen hatten, die man aus rassenideologischen Gründen bekämpfte. Vereine, die den nationalsozialistischen und antisemitischen Geist der neuen Herrscher übernahmen, konnten so schnell zu propagandistischen Aushängeschildern werden und Vorteile haben. Am deutlichsten ist dies in München geschehen: Während bei den Münchner „Löwen“ früh NSDAP- und SA-Leute die wichtigen Funktionen übernahmen und man sich bereits im März 1934 dem „Deutschen“ Verein „TSV München von 1860“ anschloss, widersetzte man sich bei Bayern München dem antisemitischen Geist und verlor völlig an Wohlwollen und Bedeutung, als die Spieler des Vereins bei einem Gastspiel in der Schweiz dem 1933 zurückgetretenen jüdisch-gläubigen Präsidenten Kurt Landauer huldigten und danach als „Judenclub“ geschmäht und ausgegrenzt wurden.

Die von den Nationalsozialisten betriebene sogenannte „Neuordnung des deutschen Sports“ war Teil der umfassenden „Gleichschaltung“ der Gesellschaft, die vor allem die Beseitigung jeglicher Opposition und jeder Meinungs-, Glaubens- und Gewissensfreiheit zum Ziel hatte. In diesem Zusammenhang wurden die sozialistische Arbeiter-Turn- und Sportbewegung zerschlagen und die Dachverbände des bürgerlichen Sports zur Selbstauflösung veranlasst. Sehr schwer traf die NS-Zeit den Nachbarverein ASV. Die Nationalsozialisten sorgten bereits 1933 dafür, dass Organisation, Vereinsleben und Sportbetrieb des aus der Arbeiterbewegung hervorgegangenen Vereins völlig zum Erliegen kamen, und beraubten ihn seiner Liegenschaften und seines ganzen Besitzes. Das Vermögen der aufgelösten Arbeitersportvereine wurde beschlagnahmt, die noch bestehenden jüdischen Sportorganisationen nach der Reichspogromnacht 1938 liquidiert.

Im Gegensatz zum Arbeitersportverein ASV konnte der VfB als „bürgerlicher“ Verein in der NS-Zeit seinen Sportbetrieb zunächst weiterführen. Voraussetzung dafür war freilich auch, dass man sich im NS-Sinn „gleichschalten“ ließ, die Betreuung der Jugendlichen unter 14 Jahren an „Jungvolk“ und „Hitler-Jugend“ (HJ) übertrug und sich nicht in Gegensatz zu Forderungen des Nationalsozialismus begab. In welchem Umfang dies zustimmend oder gezwungenermaßen geschah, lässt sich im Rahmen dieser Darstellung nicht aufzeigen. Eine historische Aufarbeitung dieses Themas war für die, die die NS-Zeit damals miterlebt hatten, offenbar von wenig Interesse und steht bis heute aus.

Historische Wahrheit ist, dass die Sportaffinität der Nazis auch und vor allem  dem Zweck diente, die „deutsche Jugend“ auf die umfassenden Kriegsziele Hitlers vorzubereiten, und nicht zuletzt die Sportler zahlten dafür einen hohen Preis.  Auch in Rehau, denn mit Kriegsbeginn 1939 war es weitestgehend vorbei mit Leichtathletik, Handball- und Fußballsport. Es endete auch die vielversprechende Aufwärts-entwicklung der VfB-Fußballer, die 1939 beinahe den Aufstieg in die Bezirksklasse geschafft hätten. Zu ihnen gehörten u.a. Georg Wolfrum, Max Walther, Josef Hüttel, Hermann Krauss, Hermann Richter, Karl Wölfel, Lorenz Rödel, Ernst Strobel, Paul Schleicher, Hans Hertel, Franz Nüssel, Wilhelm Grünbauer, Heinrich Söllner, Karl Buheitel, Heinrich Linhardt, Robert Hüttl, Hermann Kolk und Albin Grünbauer.

Viele junge, talentierte Spieler mussten in den Folgejahren weit weg von daheim als Frontsoldaten Dienst tun. Etliche von ihnen starben auf den europäischen und afrikanischen Schlachtfeldern oder kehrten erst nach teils langer Gefangenschaft zurück. Der Spielbetrieb kam zum Erliegen, weil auch das VfB-Gelände mit Arbeits- und Wohnbaracken bebaut worden war, in denen Fremdarbeiter und später Flüchtlinge untergebracht wurden. Einige der hölzernen „Behelfsheime“ standen bis in die 70-er Jahre an der Stelle der heutigen Tennisplätze.

 

Diese letzten der Wohnbaracken auf den jetzigen Tennisplätzen wurden erst in den siebziger Jahren abgerissen.

Die alten Kassenhäuschen mit ihren charakteristischen Pagodendächern